Erlaubte Vorteilsnahme als Chance für deutsche Unternehmer (Blogreihe Spanien - Teil 3)

Fachkräftemangel in D-A-CH versus Fachkräfteüberschuss in Spanien

 

In Deutschland verzeichnet bereits jedes zweite Unternehmen Umsatzeinbußen aufgrund fehlender Fachkräfte. Nach einer Studie von EY wird vom 46-Milliarden-Euro-Problem gesprochen. In den Nachbarländern sieht es ähnlich aus: Auch in der Schweiz hat jedes zweite Unternehmen Schwierigkeiten Stellen zu besetzen, in Österreich jedes dritte Unternehmen. Wo Fachkräfte fehlen entstehen Vakanzen, Aufträge können nicht angenommen werden und Umsätze werden nicht realisiert. Während sich hier der Fachkräftemangel zu einem immer größeren Problem zuspitzt, lohnt sich der Blick nach Spanien. 

Spaniens Arbeitsmarkt ist ein Arbeitgebermarkt. Eine hohe Verfügbarkeit an Fachkräften sowie qualifizierten und motivierten Nachwuchskräften lässt die Sorgen von Unternehmern, wie sie in Deutschland herrschen, vergessen. Wer in Spanien nach Fachkräften oder qualifizierte Nachwuchskräften sucht, findet sie in der Regel sehr schnell. Ein Grund: Die Arbeitslosigkeit im Land liegt im EU-Vergleich im Jahr 2016 immer noch an vorletzter Stelle, dahinter folgt nur noch Griechenland mit noch mehr Arbeitslosen.

 

Hohes Bildungsniveau und Qualifikation spanischer Fachkräfte

 

Fachkräfte sind in Spanien ausreichend vorhanden und auch das Bildungsniveau kann sich durchaus sehen lassen. Es steigt zunehmend an, nicht zuletzt aufgrund weitreichender Reformierungen, wie unter anderem der europaweite Bologna-Prozess oder die Einführung der dualen Berufsausbildung in 2012/2013. Die Fachkräfte zeichnen sich dementsprechend durch einen hohen Qualifizierungsgrad aus, insbesondere bei den unter 35-Jährigen, die über eine absolvierte Berufsausbildung oder sogar ein abgeschlossenes Studium verfügen.

 

Entgegen landläufiger Meinung: Spanier arbeiten mehr als Deutsche   

 

Zugegeben: Spanische Arbeitszeiten verbinden viele der Deutschen immer noch mit der „Siesta“ und daher „faulen Spaniern“, das Klischee schlechthin. Es gibt sie zwar noch (die Siesta bzw. lange Mittagspause), für die Arbeitnehmer bedeutet dies jedoch die Pausenzeit wieder anderweitig wettzumachen. Konkret: Der spanische Arbeitnehmer kommt sehr viel später nach Hause zur Familie wie etwa seine Kollegen in Deutschland. Immer mehr Spanier sehen darin einen Verlust an Lebenszeit und Privatleben, die Politik diskutiert bereits die Abschaffung der Siesta.  

 

Die Rahmenbedingungen: Gesetzlich verankert ist in Spanien eine Arbeitszeit von 40-Stunden pro Woche. Der tatsächliche Durchschnitt bei Vollzeitbeschäftigen liegt allerdings darüber. Auch Wochenendarbeit ist üblich, ebenso wie eine 6-Tage Woche. Der gesetzliche Regelurlaubsanspruch beträgt 22 Tage. Vergleicht man spanische mit deutschen Tarifverträgen findet man bei den Spaniern sogar eine durchschnittlich höhere Stundenanzahl pro Woche. 

 

Niedriges Lohnniveau versus teurer Arbeitskräfte

 

Die Lohnkosten in Spanien sind im EU-Vergleich im unteren Drittel angesiedelt. Regional variieren die Löhne nochmals stark. Der gesetzliche Mindestlohn lag im Jahr 2016 bei 655,20 Euro monatlich (zahlbar in 14 Gehältern bei Vollzeitbeschäftigung), d.h. 21,84 Euro täglich bzw. 2,73 Euro pro Stunde. Diese hohe Diskrepanz bei den Gehältern zeigt sich nicht nur bei Niedriglohnjobs. Auch im mittleren und gehobenen Lohnniveau sind die Gehälter deutlich unter dem deutschen Lohnniveau angesiedelt, im Durchschnitt liegen sie 20% darunter. Die regionalen Gegebenheiten bestimmen im Einzelfall wesentlich die Höhe der jeweiligen Lohnkosten.

 

In einigen Regionen winkt der spanische Staat mit besonderen Förderungen bei der Schaffung von Arbeitsplätzen. Für Unternehmer ein sehr lukratives Instrument für die Unternehmensexpansion. 

 

Für Unternehmer kann sich der Blick nach Spanien lohnen, insbesondere für solche, die in Deutschland einen Fachkräftemangel verzeichnen. Inzwischen können in Deutschland 60% der mittelständischen Unternehmen Stellen nicht besetzen. Warum also nicht qualifizierte und trotzdem günstige Arbeitskräfte in Spanien in Erwägung ziehen?

Lesen Sie mehr zu unserer Spanien Reihe in unserem nächsten Blog Beitrag.

 

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Herzlichst Ihre 

 

Nicole Hermann 

vom Go4Business Team